Überregional 02. Juli 2013

Schauspiel: Was Leipzig aus Chemnitz importiert

Gutes Theater für die Messestadt - Von wegen Provinz

Viele hielten dem Spät-68er (er wurde 1968 in Leipzig geboren) Sebastian Hartmann bei seinem oft spätrevoluzzerhaften Theater in Leipzig nicht mehr die Treue. Keine hundert Abonnenten mehr verzeichnete das Centraltheater am Ende von Hartmanns Intendanz. Enrico Lübbe will (und wird, wie wir ihn kennen) das ändern.

Er greift dabei auf Top-Produktionen aus Chemnitz zurück. Und zeigt damit den Messestädtern, dass Chemnitz alles andere ist als Provinz.

Klar, dass ein neuer Schauspieldirektor erstmal tabula rasa vorfindet - alles besenrein ausgekehrt. Schauspieler weg, Produktionen tot. Nichts da für das Publikum. Da muss ein Intendant auf Bestehendes zurückgreifen. Aber Enrico Lübbe („O Gott", stöhnten bei seiner Ernennung die Nasehochträger, „der wird Provinztheater machen") setzt nicht auf lachmuskelnde Saalfüller wie „Arsen und Spitzenhäubchen", sondern auf hirnverlangende Theaterliebstücke der letzten Spielzeit(en) in Chemnitz.

Gar nicht zurückhaltend, eher mit Selbstbewusstsein und Stolz, schreiben die Dramaturgen um Torsten Buß ins Programmheft, was da alles aus Chemnitz kommt: Wedekinds „Lulu" (eh schon als Kooperation angekündigt, Premiere am 11. Oktober), „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (in der Neuerabeitung der Chemnitzer Theater (Premiere: 1. Dezember), „Die Dreigroschenoper" als Neuerarbeitung der Chemnitzer Inszenierung (mit Mitgliedern des Gewandhaus-Orchesters - mal sehen, ob die besser sind... Premiere: Silvester 2013), „Rechnitz (Der Würgeengel)" (in Lübbes Regie aus Chemnitz. Premiere: 7. November), „Wespen stechen auch im November" (Premiere: 20. Oktober).

Vieles andere kommt bekannt vor - Gutes hält sich: ein Theaterjugendclub z.B. oder das Autorentreffen 4+1, das damit (leider) nach Leipzig abwandert... Wir sind gespannt, wie die Leipziger reagieren. Und wie viele sich auf die Zunge beißen, weil sie mal von Provinz gesprochen haben.

Übrigens: Auch Carsten Knödler kann nicht alles aus dem Boden stampfen - mit 18 neuen Produktionen sind er und sein Team in Chemnitz ohnehin am Rand des Machbaren. Auch Knödler bringt was mit aus seiner bisherigen Wirkungsstätte, dem Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau: zum Beispiel seiner gefeierte Inszenierung „Romeo und Julia auf der Abbey Road" (mit Musik von den Beatles, Premiere: 9.November) oder das Kammerspiel „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" (in der Regie des in Chemnitz wahrlich nicht unbekannten ehemaligen Schauspieldirektors Herbert Olschok. Premiere: 12. Oktober). Wir dürfen gespannt sein.

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Burkhard Hummel
Supi!!! Trifft alles, was zu sagen wäre und schreibt einem, vor Arroganz strotzendem Sebastian Hartmann, das Passende ins Stammbuch! Dennoch, als Theaterfreund ist es nur fair, auch ihm für die neuen Aufgaben eine glückliches Händchen zu wünschen und ihm eine Selbstkritik, die ihm z. Zt. (!!!) noch abgeht.
Vor 4 Jahren | darauf antworten
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