Rund ums Theater 21. November 2017

Trio creativo


Spielzeit im Kraftwerk (gestern, Montag): Mit Noten fabelhaft, ohne noch fröhlicher --

Das „Erzherzogtrio“ wurde im Saal einer Wiener Wirtschaft uraufgeführt. Beethoven saß am Klavier. Fast schon ganz taub. Die Fortestellen haute er rein, dass die Wände wackelten, die Piani waren kaum zu hören. So hat es der Komponist Louis Spohr erzählt. Auch Theatertausendsassa Jeffrey Goldberg kann reinhauen. Aber im Zusammenspiel mit den Freunden von der Robert-Schumann-Philharmonie, Ovidiu Simbotin und Jakub Tylman huschte er auch wunderbar lyrisch über die Tasten ganz oben. Das Publikum war ganz begeistert von den drei Musikern, Hausherrin Ute Kiehn-Dziuballa vom Publikum, das – „was für ein garstiges Wetter“ – am Montag zur traditionellen Spielzeit den Saal des Kraftwerks bis auf fast den letzten Platz gefüllt hatte.

Wenn man daran denkt, dass Beethoven sein Trio op. 97 für einen Schüler schrieb, sperrt man Mund und Ohren auf, wenn man hört, welche zehnfingerkünstlerische Brillanz der Lehrer abfordert. Aber der Schüler war nicht irgendwer: Erzherzog Rudolph, erst Soldat, dann Kardinal und Erzbischof. Und selbst Komponist. Irgendwie verrückt: die militärische Disziplin und die strenge katholische Liturgie – als ob die Ordnung in das Trio hineinkomponiert wäre samt aller Farbigkeit von Uniformen und Messgewändern. Die drei vom Chemnitzer Theater hatten sichtlich Freude an der Präzision jedes einzelnen gemeinsamen Pizzikatos, der synkopischen Sforzati, des Fugatos. So leger die Spielzeit äußerlich sich gibt, so professionell ohne Abstriche geben sich die Musiker den Beethoven-Noten hin.

Klar, dass da noch eine Zugabe fällig war. Trio creativo. Ohne Noten. Jakub Tylman schob gleich mal das Pult zur Seite. Goldberg, den wir auch als herausragenden Jazzer und Improvisations-As kennen, legte los, Simbotin stieg ein, Tylman hörte erst mal gelassen zu – aber dann improvisierten die drei köstlich und bisweilen verquer miteinander. Goldberg wollte gar nicht mehr aufhören, kam wieder mit einem neuen Thema, da drehte Tylman sein Cello und trommelte den Takt, Simbotin kratzte den Rhythmus hinter dem Steg. Und Goldberg? Stand auf, rumste mit links den Bass und zupfte oben mit rechts die Saiten. Herrlich fröhliches Spektakel, das schließlich (Wunder!) ein gemeinsam ausgehauchtes Ende fand.

Die Zuhörer hin- und hergerissen. Da wagte Ute Kiehn-Dziuballa gleich noch einen Vorstoß: Goldberg traktierte den Kraftwerkflügel, der schon mehr als 90 Jahre auf dem Buckel habe. Der „Blüthner“ ist noch halbwegs in Schuss, aber er braucht dringend eine Frischzellenkur. Kostenpunkt: 15.000 €. Neue Aufgabe fürs neue Jahr… A propos: Die nächste Spielzeit ist am 15. Januar 2018, 18 Uhr. Besuch aus Prag ist angekündigt.

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