Rund ums Theater 17. Mai 2015

Save the date! Da müsste, sollte, könnte man…


Tipps für die Spielzeit 2015/16 im Chemnitzer Theater (III)

Früher als sonst haben Generalintendant Christoph Dittrich und seine Führungsfrauen und –mannen das Programm für die nächste Spielzeit (2015/16) vorgestellt. Ein buntes Füllhorn von reizenden Möglichkeiten. Doch wohin müsste, sollte, könnte man/frau gehen? Was sind die Highlights? Die Spielzeithefte liegen vor. Alles schön geordnet nach Sparten, Tagen, Abos. Wir gehen mal anders ran. In loser Folge picken wir durch das Programm. Viel Spaß beim Lesen und Auswählen! Heute Folge III.

Selbst ist der Mann. Und die Frau

So einen kannst Du Dir nicht backen, so einen kannst Du Dir auch nicht einfach kaufen, so einen musst Du geschenkt kriegen: Die Rede ist von Jeffrey Goldberg. Der Mann, der schon mit Yo-Yo Ma und Bobby McFerrin für den Film „Yo-Yo Ma at Tanglewood“ zusammengearbeitet hat, ist seit einem halben Jahrzehnt Solorepetitor in Chemnitz. Davon weiß manch SängerIn eine Arie zu singen. Wir lieben ihn aber besonders, wenn wir ihn selbst hören. Der Mann ist ein Improvisationsgenie am Klavier. Ob Beermann mit Beutel (CFC-Sportdirektor) an der Hoteltheke plauscht, oder Musikerkollegen auf die Idee kommen, Tangos im Kraftwerk zu improvisieren – überall macht er mit. Gern. Und verschmitzt lächelnd. Haut rein, dass es knallt, und lässt die Tasten ausklimpern, wenn die Leute vom Hören high sind.

Seine Improvisationsabende sind Kult geworden. In der nächsten Spielzeit sitzt er dafür am 29. November 2015 und am 20. März 2016 am Flügel. Wir warten schon drauf. Sie waren noch nie dabei? Unbedingt hingehen. Supertyp. Supertipp.

Sonst ist es mit Komponisten aus dem eigenen Haus nicht weit her. Eötvös, Rasch – da werden gute Leute eingekauft… Aber es gibt noch weitere Leute im Theater, die zeigen, dass sie auch was können in Jobs, die eigentlich nicht ihr Job sind. Und für die niemand von draußen eingekauft werden muss. Weil sie selbst der Mann sind, oder die Frau, die…

Da lernen wir Leute plötzlich von einer ganz anderen Seite kennen. Oder von ihrer sehnsüchtigen? Kathrin Brune ist so eine. Sie ist Dramaturgin im Schauspiel. Wichtiger Job. Regie führt sie auch manchmal. Auch wichtiger Job. Leitet die Jury des Chemnitzer Theaterpreises für junge Dramatik. Wegen der Außenwirkung noch wichtigerer Job. Betreut als Mutter der Kompanie die Schauspielstudenten (die der Förderverein finanziert). Gute Job. Danke. – In der nächsten Spielzeit lernen wir Kathrin Brune aber auch als Autorin kennen. Jetzt streicht sie im eigenen Text, den sie sich vorher so mühsam aus den Fingern gesogen hat… Natürlich hat sie den Stürmer und Dränger gelesen, und was Georg Büchner und Peter Schneider über Lenz berichtet haben. Sie will die Lenz-„Historie huckepack nehmen und damit auf unsere Gegenwart blicken“. Was sie da sieht? Wir werden’s erleben. In der (Uraufführung!) Collage „Lenz. Festung. Ich“, zu der Kathrin Brune den Text geschrieben hat, und zu der sie die Regie führen wird (nur die Dramaturgie überlässt sie ihrem Kollegen. Und Bühne und Kostüme macht sie auch nicht selbst). Spannend! Premiere ist am 8. Oktober 2015 im Ostflügel.

Bäumchen, wechsle Dich: Besagter Dramaturgenkollege lässt sich da auch nicht lumpen. Auch er erfindet eine (szenische) „Collage“, mit der er in „‘schwarze Löcher‘ aktueller Diskussionen (im) ‚Kampf der Kulturen‘“ führt. Wie? Keine Ahnung. Ob’s da überhaupt Text gibt? Auch keine Ahnung. Wir lassen uns überraschen von René Schmidts „Clash of Civilisations“ („Zusammenprall der Kulturen“), der Uraufführung eines „Experiments“ am 10. Dezember 2015 im Ostflügel. Bei Regie und Bühne ist René Schmidt selbst der Mann. Die Dramaturgie hat er übertragen. An die Kollegin.

Und noch eine Uraufführung steht nächste Spielzeit ins Haus. Bogdan Koca gehört zwar nicht offiziell zu den Hausgewächs-Theatermannen, aber als Regisseur von „Hamlet“, „Hannahs Dämon“ und Anouilhs „Jeanne oder Die Lerche“ hat er sich hier schon in einem (Chemnitzer) Lieblingsstuhl festgesetzt. Nun hat er selbst (als Auftragswerk des Chemnitzer Schauspiels) ein Kammerspiel geschrieben: „Ich wurde geboren als…“ Der australische Pole oder polnische Australier erforscht, wahrscheinlich ziemlich absudgroteskwitzig „die Grenzen unseres kulturellen Vokabulars“ und setzt damit die Spurensuche nach „unserer kulturellen Identität“ fort, die er in seinem Bühnenerfolg „Mein Name ist Soundso“ (deutsche Erstaufführung in Chemnitz) vom Boden aufgelesen hat. Auch für Bühne und Regie ist er zuständig – also geworden zum So und So, nachdem er geboren wurde als… Wird bestimmt verrückt gut. Premiere am 22. Januar 2016.

Wo sind Theaterleute eher Schaffer als Wiedergeber? Wie autark ist die Kreativ-Leistung eines Regisseurs? In dieses schnappdischnappdiskutierte Haifischbecken wollen wir uns heute gar nicht begeben. Schon gar nicht beim Ballett, wo Reiner Feistel, der Mann-Chef (zusammen mit Sabrina Sadowska, der Frau Chefin) erneut zwei Uraufführungen stemmt: „Eugen Onegin“ (Premiere am 28. November 2015) – da ist der Plot mit Sicherheit nicht von ihm… Das ist er aber auch bei „Mozart-Briefe“ nicht. Auf so ‚ne verrückte Idee muss man erst mal kommen: die wortgeblähten Sprachschlunzereien des Salzburger Genies tanzen zu lassen. Reiner Feistel wird uns zeigen, wie’s geht – Uraufführung am 15. April 2016. Die Musik dazu? Bestimmt nicht wie bei den Hutgeschichten von Udo…

Blau, gelb, grün – ärgern? Neee. Im Gegenteil. Auch die neue Chefin des Figurentheaters hat ein eigenes Stück geschrieben. Mit dem Objekttheater „Erst blau, dann gelb, dann grün“ geht sie auch in die Schulen. Premiere der Wiederaufnahme im Figurentheater: 10. September 2015.

Selbst ist der Mann, sagte sich auch der Mann, der das tiefste Instrument gelernt hat und im Theater an höchster Stelle agiert. Warum denn in die Ferne schweifen…? Beim Familienkonzert mit „tierisch guter Musik“ am 2. April 2014 erklingen auch Teile aus Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“. Da wird ein Sprecher gebraucht. Und den suchte man sich – nicht in der Ferne oder im Schauspiel, sondern am Schreibtisch: Generalintendant Christoph Dittrich wird die Rolle übernehmen… Jón Philipp von Linden, eigentlich Dramaturg, geht auch fremd und steigt in die Moderatorenstiefel. Und macht es damit seinem obersten Chef nach.

Denn Christoph Dittrich kann nicht nur vorgegebene Texte sprechen, sondern auch locker moderieren. Das hat er nicht zuletzt in dieser Saison beim Film-Konzert bewiesen. Zweimal war die Stadthalle ausverkauft! Das wird wohl nicht viel anders sein beim 6. Sinfoniekonzert am 10./11. Februar 2016. Rechtzeitig Tickets sichern! Das wird („Tempo, Technik und Triumph“) ein furioser Abend – wenn Babette Haag das Marimbaphon schlägt und Felix Bender den Takt. Sie werden das Publikum begeistern – und den Chef am Mikro. Highlight!

Demnächst: „Bühne ist überall“

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