Rund ums Theater 13. Februar 2018

Schlauchvirtuosen

Aufgeweckte Spaßvögel: Conrad und Claudius Wecke

Spielzeit im Kraftwerk, gestern, Rosenmontag: Köstlicher Spaß mit allem, was tut und Krach macht --

Als dann noch die vier Kinder dazukamen und gemeinsam mit den beiden Profis die „1. Chemnitzer Schlauchphilharmonie“ einbliesen, gab’s kein Halten mehr. Das Publikum klatschte bei der verrücktesten Spielzeit im Kraftwerk, die es je gegeben hat, Beifall ohne Ende. Die Brüder Conrad und Claudius Wecke bescherten den Zuhörern im rappelvollen Kraftwerk am Rosenmontag Bläser-kunst und -quatsch vom Feinsten.

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Rund ums Theater 16. Januar 2018

Heimat


Spielzeit im Kraftwerk am Montag: Musik aus tschechischem Herzen--

Beeindruckend, was Jakub Tylman immer wieder auf die Beine stellt. Der Solocellist der Robert-Schumann-Philharmonie und Initiator der Spielzeiten im Chemnitzer „Kraftwerk“ bringt an den Montagen, die inzwischen schon eine Art Kultstatus haben, nicht einfach nur ein paar Musiker zusammen, die irgendwelche tollen Stücke spielen. Jedes Mal steckt eine Idee dahinter. Gestern, Montag, war es die Heimat, seine, seiner Mitspieler und der Komponisten, die er den Menschen am Fuß des Chemnitzer Kaßbergs beim „Besuch aus Prag“ vorstellen wollte. Quasi als Gesamtpaket. Die Sachsen im vollbesetzten Kraftwerk-Saal spürten die ferne Nähe und waren begeistert. „Was für ein schöner Auftakt in die Woche und in das eben begonnene neue Jahr!“, schwärmte die dankbare Hausherrin Ute Kiehn-Dziuballa.

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Rund ums Theater 21. November 2017

Trio creativo


Spielzeit im Kraftwerk (gestern, Montag): Mit Noten fabelhaft, ohne noch fröhlicher --

Das „Erzherzogtrio“ wurde im Saal einer Wiener Wirtschaft uraufgeführt. Beethoven saß am Klavier. Fast schon ganz taub. Die Fortestellen haute er rein, dass die Wände wackelten, die Piani waren kaum zu hören. So hat es der Komponist Louis Spohr erzählt. Auch Theatertausendsassa Jeffrey Goldberg kann reinhauen. Aber im Zusammenspiel mit den Freunden von der Robert-Schumann-Philharmonie, Ovidiu Simbotin und Jakub Tylman huschte er auch wunderbar lyrisch über die Tasten ganz oben. Das Publikum war ganz begeistert von den drei Musikern, Hausherrin Ute Kiehn-Dziuballa vom Publikum, das – „was für ein garstiges Wetter“ – am Montag zur traditionellen Spielzeit den Saal des Kraftwerks bis auf fast den letzten Platz gefüllt hatte.

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Rund ums Theater 10. Oktober 2017

Besondere Nachtschicht: Unsere Schauspielstudenten "Auf dem Weg"


Morgen, Mittwoch, live: 20 Uhr, Kleine Bühne, Schauspielhaus - Eintritt frei!

Diese Einladung der "Mutter der Kompanie" sollten wir uns nicht entgehen lassen. Kathrin Brune lädt die Mitglieder des Theaterfördervereins  "sehr herzlich" zur 'NACHTSCHICHT auf dem weg' ein.

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Rund ums Theater 10. Oktober 2017

Stromer im Kraftwerk

„Quattro Vaganti“ mit Mozart auf Darm(saiten) und Čakrt auf Stahl am Montag in der „Spielzeit“ --

Sie nennen sich „Vaganti“. Frei übersetzt: die Stromer, die Herumstreuner. Sie wandern durch die Musikepochen und Musikstile, freuen sich, wenn sie Unbekanntes entdecken abseits der ausgetretenen Klassikprogrammpfade. Die vier Vaganten sind die Robert-Schumann-Philharmoniker Ovidiu Simbotin (Geige), Sebastian Mickelthwate (Bratsche) und Rolf Müller (Cello). Mit dabei als engagierte Musikpfadfinderin Adéla Drechsel. Mit einem besonderen Mozart und einem aufregenden Čakrt stromern sie am 28. Oktober ins Landschloss Zuschendorf, am Montag aber machten die Vaganten erstmal Station bei der „Spielzeit im Kraftwerk“. Und kamen vor lauter Beifall um eine Zugabe nicht herum.

Im Programm stand zwar, die Vaganten würden das Streichquartett KV 241 spielen, aber mit den Zahlen haben‘s die Stromer nicht so. Sie hatten sich aber ein ganz besonderes Quartett des Meisters vorgenommen: das Quartett mit der Nummer 421 im Köchel-Verzeichnis ist das einzige unter den großen Mozart-Quartetten in Moll. Aber das macht es nicht allein zum Besonderen. Entstanden ist es am 17. Juni 1783 in der Nacht, als Mozarts Frau Constanze in Wien ihren Sohn Raimund Leopold Mozart auf die Welt brachte.

Mozart komponierte in dem Zimmer, in dem seine Frau seit halb zwei Uhr in den Wehen lag. Ihr zweiter Mann zeichnete auf, was sie ihm später berichtet hatte: „So oft sie Leiden äusserte, lief er auf sie zu, um sie zu trösten und aufzuheitern; und wenn sie etwas beruhigt war, ging er wieder zu seinem Papier. Nach ihrer Erzählung wurden der Menuett und das Trio gerade bey ihrer Entbindung componirt.” Da war es schon halb Sieben am Morgen. Einen „großen, starken und kugelrunden Buben“ habe Constanze auf die Welt gebracht, schrieb Mozart an seinen Vater Leopold, den frisch gebackenen Opa des jungen Erdenbürgers.

Und warum dann ausgerechnet in d-moll, der Tonart des Requiems und des Don Giovanni?, fragte sich Adéla Drechsel, die charmant und wissensreich durch das Programm führte… Vielleicht hat Mozart schon geahnt, dass der prachtvolle Bursch kein langes Leben haben werde. Schon am 19. August 1783 ist der kleine Mann gestorben.

Das Quattro Vaganti spielte das Quartett in historischer Praxis auf Instrumenten mit Darmsaiten, Stahlsaiten hat es zu Mozarts Zeiten noch nicht gegeben. Und Vibrato auch noch nicht. Also hat Mozart all den Schmerz, all die Wehen, all die Freuden in Figuren, Triller und wunderschöne Melodien (Trio mit Pizzikato-Begleitung) hineinkomponiert. Und die vier Vaganti wissen genau, wie man sich auf unsicheren Pfaden zurechtfindet.

Adéla Drechsel spielt beim Mozart die erste Geige. Beim Čakrt die zweite, doch hatte sie auch hier den Ton angegeben. Der in Deutschland fast unbekannte Michal Čakrt (1924-1997) stammt aus derselben Stadt im Riesengebirge wie die Geigerin, aus Trutnov, früher Trautenau. Er hatte, da systemkritisch, ein schwieriges Leben. Und gesund war er auch nicht. Aber davon spürt man in dem Quartett Volné chvíle (Freie Momente) nichts. Da wuselt die Großstadt (4. Satz), da ergeht sich die feine Gesellschaft auf der Kurpromenade (3.), und da sind (nicht nur) die Vaganten unterwegs über Stock und Stein (1. Satz). Čakrt ist kein Neutöner. Er liebt die Melodien seines Volkes – dem großen Landsmann Dvořák sehr verwandt. Und da konnten die Vaganten nun auf ihren modernen (ein paar Hertz höher gestimmten) Instrumenten singen und fetzen, dass man nur seine Freude dran hatte.

Mit den Kollegen freute sich Jakub Tilman (samt Nachwuchs), der „Vater“ der kultigen Spielzeiten, aber auch Philharmoniker-Kollege Matthias Worm war gern Gast bei den stromernden Freunden. Herrliche Musik, auch ganz ohne Frack, vor fast vollem Haus, worüber sich die gastfreundliche Herrin des Kraftwerks, Ute Kiehn-Dziuballa herzlich freute. Schöner Abend im Trockenen. Bei dem Sauwetter jagt man keinen Hund ins Freie, noch nicht mal Vaganten…

Bei der nächsten Spielzeit wird’s, Kontrast!, höfisch. Das Erzherzogtrio ist angekündigt. Kann sich nur um Beethovens Geniestreich handeln. Termin: 20. November, wie immer 18 Uhr. Und, Erzherzog hin oder her, auch wie immer in Alltagsklamotten. Ruhig stromerhaft.

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