Aus den Häusern 15. Oktober 2017

„Gefühle sind Ermüdungserscheinungen“


Premiere im Rückblick: Max Frischs „Homo faber“ -  großes Theater als subtiles Kammerspiel gestern, Samstag, im Schauspielhaus --

Hasko Weber schlägt sie in seinen Bann. Alle. Seine Schauspieler und sein Publikum. Als junger emotionaler Schauspieler und Kopf der „Dramatischen Brigade“ und Verfasser jener Resolution, die am 7. Oktober 1989 der damalige Schauspieldirektor Hartwig Albiro auf der Bühne des Schauspielhauses im Park der Opfer des Faschismus verlas, und die Zündfunke war für die friedliche Revolution in Karl-Marx-Stadt. Heute als auf diese Bretter zurück gekehrter Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters mit Max Frischs „Homo faber“, dem emotionshassenden Technokraten, der die „Welt so einrichten“, so fabrizieren will, „dass wir sie nicht erleben müssen“. Er scheitert. Hasko Weber erlebt einen Triumph. Große, einhelliger Beifall am Samstagabend für ihn und seine heutige Brigade bei der Premiere im vollbesetzten Schauspielhaus.

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Aus den Häusern 01. Oktober 2017

‘s ist doch der Lauf der Welt

Premiere im Rückblick: „Der Rosenkavalier“ in Chemnitz – der schöne Traum eines verliebten Sommers in brodelnder Zeit - -

Richard Strauss mochte das Chemnitzer Theater und dessen Chef Richard Tauber. Er war oft in der Stadt. Wohnte bei Oscar Freiherr von Kohorn zu Kornegg, dem Teppichfabrikanten, der ihm in seiner Villa, schräg gegenüber der Villa Esche, ein Schlafzimmer eingerichtet hatte, das nur für den Komponisten reserviert war. 1925 dirigierte er seinen „Rosenkavalier“ selbst in Chemnitz. Er hätte sich wahrscheinlich über die Premiere gestern im Chemnitzer Opernhaus gefreut. Hugo von Hofmannsthal weniger. Über eines hätten sich beide gewundert: über die nervösen Zuckungen der Drehbühne, die in den Pausen Gesprächsthema Nr. 1 waren.

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Aus den Häusern 29. September 2017

Findet, und ihr werdet suchen


Premiere im Rückblick: Viel versprechender Auftakt für die neuen Schauspielstudenten mit Thomas Freyers Farce „Und in den Nächten liegen wir stumm“, die alles auf den Kopf stellt --

Sie kommen aus Linz, Zürich und Bern. Seit rund vier Wochen sind sie als Schauspielstudenten in Chemnitz. Bude einrichten. Sich eingewöhnen. Sich aneinander gewöhnen. Die Zeit rennt. Schon gestern Abend stellten sie sich dem Publikum. Mit einem verrückten Stück. Die Vier vom Studio spielten sich von der ersten Minute an in die Herzen der Zuschauer. Besser kann ein Start kaum gelingen.

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Aus den Häusern 24. September 2017

Wieviel Schiller muss in Schiller sein?

Premiere im Rückblick: Nina Mattenklotz versucht eine postdramatische Performance über Freiheit und Willen anhand von Schillers „Räubern“ –

Am Weihnachtstag 1989 gab Leonard Bernstein ein in die ganze Welt übertragenes Konzert im Ostberliner Schauspielhaus (heute Konzerthaus) am Berliner Gendarmenmarkt. Beethoven, die Neunte. Für den Schluss hatte Bernstein Schiller umgedichtet. Er ersetzte nur ein Wort. „Freude“. Und die vereinten Chöre aus München, Ostberlin und Dresden sangen „Freiheit, schöner Gotterfunken…“ Die Welt hielt den Atem an. Auch Nina Mattenklotz hat für ihre Chemnitzer Inszenierung der „Räuber“ Schiller umgeschrieben. Auch hier geht es um „das große Wort“ (Programmheft) Freiheit. Hier ist sie kein Götterfunke, sondern Teufelszeug. Das Publikum bei der Premiere gestern Abend im Chemnitzer Schauspielhaus reagierte gespalten. Enthusiastischer Beifall auf der einen, durchkreuzt von deutlichen Buhs auf er anderen Seite. Nach der Pause blieben einige Pltze frei. Ein denkwürdiger Abend.

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Aus den Häusern 21. September 2017

Flötenzauber

1. Sinfoniekonzert (Mittwoch) im Rückblick: Die Französin Magali Mosnier begeistert ihr Publikum --

Guillermo García Calvo, der neue Chemnitzer Generalmusikdirektor, steigt erst im zweiten Sinfoniekonzert der Robert-Schumann-Philharmonie am 25./26. Oktober ein. Wie es ihm gebührt, mit einem opulenten Programm (Schumann, Lalo, Strauss). So war das Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit am Mittwoch in der sehr gut besetzten Stadthalle in Chemnitz gewissermaßen „nur“ der Auftakt – ohne Protz und Prunk, dafür bezaubernd. Im Mittelpunkt standen nicht Pauken und Trompeten, sondern die schlichte Flöte.

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